Umfrageformen

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Arten der Befragung - Vor- und Nachteile

Nach der Art der Komunikation mit den Befragten unterscheidet man persönliche, telefonische, schriftliche ("self administered") und Online-Befragungen. Jede hat ihre spezifischen Vor- und Nachteile.

Persönliche Befragung (Face-to-Face)

Bei der Persönlichen Befragung sucht ein Interviewer den Befragern auf und spricht mit ihm. Dabei werden entweder Papierfragebögen oder elektronische Eingabegeräte (CAPI, Computer Assited Personal Interview) verwendet.

Vorteile:

  • Für die Befragung können Hilfsmittel eingesetzt werden. Dazu gehören Listenvorlagen, Bildblätter und so genannte "Kartenspiele" (Pappkarten auf denen Namen oder Begriffe stehen und die der Befragte sortieren oder kommentieren soll). Bei Produktuntersuchungen kann der Interviewer dem Befragten auch Verpackungen oder Produktbeispiele vorlegen.
  • Der Interviewer kann den Befragten direkt beobachten und diese Beobachtungen im Fragebogen festhalten (zum Beispiel: ist der Befragte eher selbstsicher oder schüchtern?)
  • Relativ lange Interviews sind möglich (Richtwert: 1-1,5 h)

Nachteile:

  • Persönliche Befragungen sind vergleichsweise teuer. Für landesweite Umfragen muss ein landesweites Netz von Interviewern unterhalten werden, deneen Hilfsmittel und Produktbeispiele (und bei Verwendung von Papierfragebögen auch diese) per Post zugeschickt werden müssen.
  • Die Führung und Anleitung der Interviewer ist kompliziert und aufwendig.
  • Persönliche Befragungen erfordern eine lange Feldzeit. Blitzumfragen kann man face-to-face nicht durchführen; im Vergleich zu per Post verschickten Fragebögen ist die Feldzeit bei CAPI-Interviews durch elektronische Übermittlung der Daten zwar kürzer, Blitzumfragen können so jedoch ebenfalls nicht durchgeführt werden.

Telefonische Befragung

Vorteile:

  • Die telefonische Befragung ist relativ schnell. Mit vorbereiteten (computergestützten CATI) Fragebögen und einem sofort einsatzfähigen Call-Center (inklusive vorbereiteter Telefonnummern-Stichprobe (ebenfalls computergesteuert) sind Blitzumfragen zu aktuellen Ereignissen möglich.
  • Vergleichsweise kostengünstig (insbesondere, wenn die Infrastruktur, wie Callcenter und CATI-Einrichtungen bereits vorhanden ist).
  • Einfache Interviewerführung in einem Call-Center (oder den Büros eines Uni-Institutes...)
  • Geringere Hemmschwelle für den Befragten bei heiklen Fragen (in der Literatur umstritten)

Nachteile:

  • Geringere Response-Rates (=höhere Nonresponse); das gilt jedoch nicht absolut, sondern hängt von den Themen und den Umständen der Befragung ab.
  • Nicht alle Hilfsmittel (Listenvorlagen, Kartenspiele) können eingesetzt werden.
  • Durch das Fehlen von Hilfsmitteln und die rein sprachliche Kommunikation, auch über komplizierte Skalen oder Einstufungen, kann das Interview vom Befragten leicht als monoton oder ermüdend empfunden werden.
  • Kürzere Interviews, als bei anderen Befragungsformen (Richtwert 15-25 Minuten).
  • Gefahr von Auswahlverzerrungen: Auch die zufällige Auswahl der Befragten mit der Geburtstagsmethode garantiert nicht, dass die Stichprobe wirklich zufällig zusammengesetzt ist; möglicherweise werden mehr Meinungsführer befragt als in der Grundgesamtheit vorhanden sind.

Postalische Befragung - self administered survey

Vorteile:

  • Verhältnismäßig kostengünstig.
  • Einfache Verwaltung, denn es gibt hier weder Interviewer noch Call-Center.

Nachteile:

  • Extreme Verzerrungen durch die starke Nonresponse (Nichtbeantworten der zugesandten Fragen). Bei postalischen Befragungen gelten 20-40% Response als gut; bei Spezialumfragen kann man 50% und mit allen Tricks der Total Design Method von Don Dillman (sehr teuer!) 70% Ausschöpfung (Response Rate) erreichen. In den meisten Fällen ist die Nonresponse bei postalischen Befragungen so hoch, daß die Repräsentativität der Stichprobe - freundlich ausgedrückt - stark eingeschränkt ist.
  • Der Forscher hat keine Kontrolle über das Verhalten der Befragten (Zurückblättern im Fragebogen um Antwortkonsistenz herzustellen, Fragebogen von der Sekretärin oder der Oma ausfüllen lassen, Wissensfragen im Lexikon nachsehen, im Extremfall: den Fragebogen vor der Beantwortung völlig umschreiben). Es gibt keinen Interviewer, der die Befragten darauf aufmerksam machen kann, wenn etwas vergessen wurde (Item-Nonresponse, d.h. es fehlen einzelne Antworten).
  • Kaum Hilfsmittel möglich (Kartenspiele, Listenvorlagen), dafür aber besonders hohe Anforderungen an die Fragebogengestaltung, damit der Befragte weder überfordert noch frustriert wird und möglichst alle Fragen beantwortet und den ausgefüllten Fragebogen zurückschickt (lege artis / state of the art zum Erreichen dieser Ziele ist die Total Design Method von Don Dillman).

Online-Umfragen (Email und WWW)

--> Siehe Hauptbeitrag Online-Befragung

Literatur:

  • Rainer Schnell / Paul B. Hill / Elke Esser: Methoden der empirischen Sozialforschung. München, Wien 1999.
  • Jürgen Bortz / Nicola Döring: Forschungsmethoden und Evaluation. Berlin u.a. 1995.
  • Elisabeth Noelle-Neumann / Thomas Petersen: Alle, nicht jeder. München 1996.
  • Verschiedene Beiträge in: Batinic, Bernad/Werner, Andreas/Gräf, Lorenz/Bandilla, Wolfgang (Hrsg.): Online Research. Methoden, Anwendungen und Ergebnisse. Göttingen, Bern, Toronto, Seattle 1999.
  • Dillman, Don A. / Jolene D. Smyth / Leah Melani Christian: Internet, mail, and mixed-mode surveys: the tailored design method. New York 2009.
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